fiktives Verkehrszeichen mit Fragezeichen und Zusatzschild 'Rettungsgasse-Aufklärung!?'

Rettungsgasse – wo denn nun!?

[Edit: Dieser Beitrag ist nicht mehr aktuell, bleibt aber zur Dokumentation online.]

Aufmerksame Leser von Rettungsgasse-Aufrufen und Betrachter

der Videos haben längst bemerkt: Da stimmt doch etwas nicht!?!

Mal heißt es, die Rettungsgasse müsse bei vierspurigen Fahrbahnen „in der Mitte“ gebildet werden, beim nächsten Aufruf heißt es „zwischen linker und allen übrigen Fahrspuren“ müsse Platz für die Gasse gemacht werden.

Was denn nun, wem soll ich glauben?!?

 

All zu voreilig wird dem jeweiligen Verfasser eine schlechte Recherche vorgeworfen, sollte nicht gerade die Version genannt werden, die man selbst für richtig hält. Oder bis dahin hielt.

 

Aber der Reihe nach:

Viele Medien und Verfasser von Beiträgen z.B. auf Facebook, kommunizieren nur die Regelung von zwei bis drei Fahrspuren. Vielleicht sogar bewußt, um Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Wohl eher nur durch das Zitieren von unvollständigen Angaben, ohne diese zu hinterfragen.
Was bei vier Spuren zu tun ist, wird oftmals gar nicht angesprochen, was auch nicht wirklich Sinn einer guten Aufklärung ist, wo es doch im Moment so nötig ist. Es bestehen derzeit zwei Varianten:

  • Rechte-Hand-Regel, also immer zwischen linker und aller übrigen rechten Spuren
    Die Mehrzahl der Institutionen, nämlich Rettungsdienste, Feuerwehren Rettungsgasse-Kampagnen und auch die Bundesländer selbst erwarten, die Rechte-Hand-Regel zu beachten, die bis zu fünf Spuren sehr eindeutig  verdeutlicht – hier in einem Video des SWR sehr anschaulich dargestellt.
    Dies ist die Variante, die sich durchsetzen wird, und das sogar international, zumindest innerhalb der EU.  Gern verbreitet wurde schon lange das gut gemachte Video der österreichischen ASFINAG, welches jedoch aufgrund der Standstreifen-Mitbenutzung und der Rechte-Hand-Regel momentan gegenüber der deutschen StVO nicht gesetzeskonform ist. Und damit zur nächsten Variante:

 

  • Bei vier Spuren in der Mitte
    Beispielsweise der ADAC kommuniziert die Variante des derzeit gültigen § 11 der StVO. Dieser besagt, dass bei mehr als zwei Spuren (somit auch bei vier Spuren) die Rettungsgasse in der Mitte gebildet werden muss. Das Problem bei dieser Auslegung ist, dass die Rettungsgasse versetzt positioniert werden müsste, wenn aus einer drei Spuren vier Spuren werden. Der Übergang wäre wohl kaum als Rettungsgasse befahrbar.

 

Warum denn nun diese unterschiedlichen Forderungen?

Schuld an diesem Dilemma haben wohl mal wieder die langsam mahlenden Mühlen.
Obwohl dem Gesetzgeber zum Zeitpunkt der Aktualisierung im Jahr 2013 die Existenz vierspurige Fahrbahnen in gleicher Fahrtrichtung bekannt gewesen sein dürften, wurde der Gesetzestext bei der Gelegenheit der Aktualisierung nicht eindeutig für mehr als drei Spuren verfasst. Erst jetzt ist eine Änderung des § 11 StVO im Gange.
Das zieht sich sogar noch länger hin als ursprünglich gedacht. So kam es, dass zum Beispiel der ADAC zwischenzeitlich, nach Bekanntwerden der geplanten StVO-Änderung, schon im Jahr 2014 die favorisierte Variante der Rechte-Hand-Regel vertrat. Angesichts der jetzigen Verzögerung, für die kein Ende in Sicht ist, sah der ADAC sich im Sommer 2015 jedoch gezwungen, bis zur Gesetzesänderung zurück zu rudern und wieder das aktuell geltende Gesetz zu kommunizieren, eben dass die Rettungsgasse bei vier Spuren in der Mitte gebildet werden soll.

Fazit

Nachvollziehbar sind beide Vorgehensweisen. Die einen beziehen sich auf geltende Gesetze, den aktuellen § 11 der StVO. Die anderen setzen sich nachhaltig dafür ein, dass eine durchgängige Rettungsgasse ermöglicht werden kann – ebenfalls kein Fehler! Letztere Variante ist auf jeden Fall zu favorisieren, denn auch in Nachbarländern wird daran gearbeitet die Regelung einheitlich durchzusetzen.
Da es sicherlich noch dauert bis es die Mehrzahl der Autofahrer mal gelernt hat, sind wir der Meinung man sollte tatsächlich schon die “Rechte Hand-Regelung” kommunizieren.

Hoffen wir, dass die Gesetzgeber ihren Einsatz bald zeigen, der von Autofahrern in einer unklaren Situation schon jetzt verlangt wird.

 

Hier mehr zu den aktuellen „Aufklärungsversuchen“, Betonung liegt auf Versuche!